top of page

21. Okt. 2026

Kompetenzzentrum Sprachbildung

Sprachliche Bildung an Schulen in sozial herausfordernden Lagen stärken

Zwei Jahre Kompetenzzentrum Sprachbildung im CHANCEN-Verbund: Zwischenbilanz und Ausblick

Köln, 21. Oktober 2026 – Seit zwei Jahren unterstützt das Kompetenzzentrum Sprachbildung die Länder bei ihren Vorhaben zur Sprachbildung im Rahmen des Startchancen-Programms in den Bereichen Lesen, Schreiben und Zuhören. Nun zieht es eine erste Zwischenbilanz: Gemeinsam mit zehn Ländern hat es mittlerweile viele bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote entwickelt und mehr als 200 Personen für die Förderung wichtiger Basiskompetenzen geschult. Damit schafft es zentrale Voraussetzungen, um die sprachliche Bildung an Schulen gezielt zu stärken. Das Kompetenzzentrum ist eine Einheit des CHANCEN-Verbunds zur wissenschaftlichen Begleitung und Forschung für das Startchancen-Programm. Der Verbund unterstützt Bund und Länder dabei, das Programm umzusetzen und zu steuern. Koordiniert wird das Kompetenzzentrum vom Mercator-Institut der Universität zu Köln sowie der Universität Hamburg.


Ob in Mathematik, Physik oder anderen Fächern: Wer Aufgabenstellungen nicht sicher lesen und verstehen kann, hat es schwerer, sich fachliche Inhalte zu erschließen und Aufgaben erfolgreich zu lösen. Lesekompetenzen sind eine wichtige Voraussetzung für den Schulerfolg und die spätere Teilhabe am Berufs- sowie am gesellschaftlichen Leben. Die jüngste PISA-Studie zeigt jedoch: Rund ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland erreicht beim Lesen das Mindestniveau nicht. Besonders betroffen sind Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien.

Hier setzt das Startchancen-Programm an, das die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen an 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler:innen verbessern soll. Das Kompetenzzentrum Sprachbildung unterstützt dieses Ziel, indem es die sprachliche Bildung stärkt und Basiskompetenzen im Lesen, Schreiben und Zuhören fördert. Im Oktober 2024 nahm das Kompetenzzentrum seine Arbeit auf und hat seitdem einiges erreicht.


Qualifizierung: 200 Multiplizierende bringen praxisnahe Methoden in die Schulen

Prof. Dr. Jörg Jost, Leiter des Kompetenzzentrums Sprachbildung, betont: „In den vergangenen zwei Jahren haben wir im Kompetenzzentrum Sprachbildung wichtige Grundlagen geschaffen: Gemeinsam mit den Ländern haben wir länderübergreifende und länderspezifische Qualifizierungskonzepte für Multiplizierende entwickelt, damit diese die sprachbildenden Konzepte aus der Forschung nun im nächsten Schritt in die Startchancen-Schulen tragen und nachhaltig in Unterricht und Schulentwicklung verankern können. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Ländern stellen wir sicher, dass Sprachbildung zielgenau an den jeweiligen Bedarf angepasst werden kann.“

In den Qualifizierungen des Kompetenzzentrums Sprachbildung eignen sich die Multiplizierenden – meist erfahrene Lehrkräfte – Konzepte, praxisnahe Methoden und Materialien zur sprachlichen Bildung an, um Schulen bei der Umsetzung sprachbildender Ansätze fachlich zu unterstützen. Die Angebote verbinden Diagnostik und Förderung systematisch miteinander, denken konsequent heterogene Lerngruppen mit und unterstützen Schulen dabei, Unterricht auf Grundlage erhobener Daten gezielt weiterzuentwickeln.

Dr. Simone Jambor-Fahlen, Koordinatorin des Kompetenzzentrums Sprachbildung, erklärt: „Ein zentraler Erfolg unserer Arbeit ist, dass bereits mehr als 200 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in einer Qualifizierungsmaßnahme weitergebildet werden. Sie tragen die Inhalte und Ansätze der Sprachbildung weiter in die schulische Praxis und sorgen dafür, dass Wissen auch in der Fläche der 4.000 Startchancen-Schulen ankommt.“


Forschungsbasierte Materialien für Schulen und Lehrkräfte – „Texte meistern“

Das Kompetenzzentrum Sprachbildung stellt für die Schulen auch Materialien zur Stärkung der Lese- und Schreibkompetenzen bereit. Die Förderhefte und Handreichungen für Lehrkräfte sind kostenlos als Download erhältlich und können als Printversion bestellt werden. Neu ist eine Basisversion zum Band „Texte meistern – Wir trainieren flüssig lesen“. Diese ermöglicht mit den enthaltenen Übungen die Förderung von Vorstufen des flüssigen Textlesens auf der Silben-, Wort- und Satzebene bis hin zur Minitextebene.

Orientierungshilfe für Diagnostik in der beruflichen Bildung

Für die sprachliche Bildung in berufsbildenden Schulen hat das Kompetenzzentrum Sprachbildung unter Federführung von Prof. Dr. Hans-Joachim Roth und Prof. Dr. Christian Efing eine Orientierungshilfe zur Auswahl geeigneter Diagnostiktools für die Kompetenzbereiche Lesen und Schreiben entwickelt. Dieser Leitfaden hilft Fachkräften in der Berufsbildung dabei, passende Diagnostik-Verfahren für unterschiedliche Zielgruppen und Fragestellungen auszuwählen.

Weitere Entwicklungen in 2027

2027 erscheint die erste Version des „Sprachbildungskompasses“. Das digitale Instrument bildet diagnostische Verfahren und Fördermaßnahmen eines Bundeslandes über den Lernverlauf hinweg ab. Es unterstützt Schulen, Fachberatungen und weitere Verantwortliche dabei, Bedarfe, Lücken und Entwicklungspotenziale zu identifizieren und die Sprachbildung gezielt weiterzuentwickeln. Weiterhin möchte das Kompetenzzentrum Sprachbildung die Zusammenarbeit mit den Ländern intensivieren. „Der gemeinsame Erfolg hängt maßgeblich davon ab, dass wir in engem Austausch mit den Mitwirkenden in den Ländern passgenaue Lösungen entwickeln können. Daher möchten wir weitere Länder dazu ermutigen, mit ihren Fragen, Bedarfen und Ansätzen zur sprachlichen Bildung auf uns zuzukommen“, sagt Prof. Dr. Jörg Jost.


Enge Zusammenarbeit mit der Bund-Länder-Initiative BiSS

Im Bereich der Qualifizierungen arbeitet das Kompetenzzentrum Sprachbildung eng mit der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS-Transfer) zusammen. Die Initiative unterstützt bereits seit 14 Jahren Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte in ihrer sprachlichen Bildungsarbeit und ist eine verlässliche Konstante für Schulen und Kitas in ganz Deutschland. Die am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung ansässige Leitstelle BiSS-Transfer wird vom BMBFSFJ gefördert.


Weitere Informationen:

Erfahren Sie mehr über das Kompetenzzentrum Sprachbildung:

https://startchancen-sprachbildung.uni-koeln.de

https://www.chancenverbund.de/sprachbildung

Weitere Informationen über die Arbeit des Kompetenzzentrums finden Sie im jetzt veröffentlichten Interview mit Dr. Simone Jambor-Fahlen im BiSS Magazin.


Welche Zwischenbilanz der CHANCEN-Verbund nach 2 Jahren zieht, erfahren Sie hier.


Seit Juni 2026 hat das Mercator-Institut einen neuen Namen. Mehr dazu hier.


Kontakt

Dr. Simone Jambor-Fahlen (Koordinatorin Kompetenzzentrum Sprachbildung)

Tel. 0221 470-7718; E-Mail: simone.jambor-fahlen@mercator.uni-koeln.de


Über das Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung

Das Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung ist ein Institut der Universität zu Köln. Wir wollen sprachliche Bildung in mehrsprachigen Lehr-Lern-Kontexten erforschen und verbessern. Sprachliche Vielfalt ist aus unserer Sicht als zentrales Merkmal der Gesellschaft und des gesamten deutschen Bildungssystems zu verstehen und zu adressieren. Diese Ressource wertschätzend zu berücksichtigen, didaktisch zu nutzen und aktiv zu fördern, ist daher Aufgabe aller Bildungsinstitutionen. Wir möchten entsprechende Prozesse durch ko-konstruktive Zusammenarbeit mit diversen Bildungsakteur:innen auf vielfältige Art und Weise unterstützen. Unser Ziel ist es, durch Forschung, Lehre und Transfer zu sprachlicher Bildung in einer mehrsprachigen Gesellschaft zu mehr Chancengleichheit beizutragen.



Diese Pressemitteilung erschien zuerst beim Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung.

William Veder

Gruppenfoto, Team Kompetezzentrum Sprachbildung
bottom of page