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15. Sept. 2026

von Jörg Jost, Kai Maaz und Susanne Prediger

PISA bestätigt den Auftrag des Startchancen-Programms – jetzt zählt seine Wirkung

Die aktuellen PISA-Ergebnisse unterstreichen, warum das Startchancen-Programm gebraucht wird. Nun gilt es, die zusätzlichen Ressourcen in bessere Lernbedingungen und Angebote zu verwandeln.

PISA zeigt: Zu viele Jugendliche in Deutschland verfügen nicht über grundlegende Kompetenzen. Rund ein Viertel der 15-Jährigen beherrscht Naturwissenschaften nicht sicher, im Lesen und in Mathematik ist es sogar rund ein Drittel. Diese Jugendlichen können Mühe haben, Alltagsprobleme zu meistern und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Im Supermarkt erkennen sie möglicherweise nicht, ob ein 20-Prozent-Rabatt oder ein Mengenangebot günstiger ist. Beim Lesen von Packungsbeilagen könnte es ihnen schwerfallen, zwischen Wichtigen und Nebensächlichem zu unterscheiden. Besonders gravierend sind die Kompetenzunterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen. Bildungserfolg hängt in Deutschland weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab.

Mathematik muss im Alltag nützen. Wir wollen den Unterricht so weiterentwickeln, dass Jugendliche mathematische Zusammenhänge begreifen und anwenden können. Etwa, um im Supermarkt das günstigere Angebot zu erkennen.

Susanne Prediger

Leiterin des Kompetenzzentrums Mathematik im CHANCEN-Verbund


PISA erteilt dem Startchancen-Programm keinen neuen Auftrag, sondern unterstreicht seine Notwendigkeit: Das Programm ermöglicht Schulen in herausfordernden Lagen bessere Entwicklungsbedingungen, und richtet die Unterstützung stärker am tatsächlichen Bedarf aus. Die entscheidende Frage ist dabei: Wie werden aus zusätzlichen Ressourcen für Schulen bessere Lernbedingungen für Kinder und Jugendliche? 


PISA gibt auch dafür einen wichtigen Hinweis: Verglichen mit dem OECD-Durchschnitt erleben Jugendliche in Deutschland ihre Lehrkräfte im Unterricht seltener als unterstützend. Zugleich hängen fachliche Kompetenzen auch mit sozialen und motivationalen Voraussetzungen des Lernens zusammen. Gute Förderung verbindet deshalb beides: hochwertige Lernangebote und die Bedingungen, unter denen sie die Kinder und Jugendlichen tatsächlich wirksam erreichen. Damit rückt eine größere Frage in den Mittelpunkt: Wie entstehen dauerhaft bessere Bedingungen für gutes Lernen?


Hier setzt die Arbeit des CHANCEN-Verbunds im Startchancen-Programm an. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass Schulen dauerhaft gute Arbeit leisten können. Gemeinsam mit den Bildungssteuerung der Länder regt der CHANCEN-Verbund die Schul- und Unterrichtsentwicklung in 4.000 Startchancen-Schulen an. Dabei baut er auf Bewährtem auf. Viele Forschende  im Verbund haben in früheren Projekten vielfältige Angebote entwickelt, an Schulen erprobt und ihre Wirkung untersucht – etwa Mathe sicher können oder Instrumente aus der BiSS-Tooldatenbank.

Wir wollen Lehrkräfte dabei unterstützen, dass Jugendliche Texte besser verstehen. Nicht nur im Deutschunterricht.

Jörg Jost

Leiter des Kompetenzzentrums Sprachbildung im CHANCEN-Verbund


Diese Erfahrungen bilden nun die Grundlage für den nächsten Schritt: den Transfer in die Fläche. Dazu werden zusammen mit den Ländern die bewährten Angebote für weitere Schulen nutzbar gemacht und es wird zugleich genauer untersucht, unter welchen Bedingungen sie wirksam werden. Dabei nimmt der CHANCEN-Verbund nicht nur die Angebote selbst in den Blick. Er arbeitet auch an dem, was Schulen, Unterstützungssysteme, Verwaltung und Bildungssteuerung brauchen, damit sie Wirkung entfalten. Dafür verbindet der CHANCEN-Verbund drei Fragen nach Wirksamkeit:


  • Wie lässt sich ein Angebot wirksamer machen?

    Angebote, wie Qualifizierungen und Konzepte für die Unterrichtsentwicklung, wirken nicht immer wie erwartet. Daher entwickelt der Verbund gemeinsam mit den Ländern die Inhalte, didaktischen Ansätze, Formen des Feedbacks oder der Begleitung durch das Unterstützungssystem gezielt weiter.


  • Welche Bedingungen begrenzen oder ermöglichen Wirkung?

    Gute Angebote allein verändern Unterricht und Schule noch nicht. Der Verbund untersucht deshalb, welche Rolle Zeit, Kooperation, Führung, Zuständigkeiten und Unterstützungsstrukturen spielen, und wie diese sukzessive angepasst werden können.


  • Was sollte das System daraus lernen?

    Über Teilprojekte und verschiedene Kontexte hinweg zeigen sich wiederkehrende Muster von Gelingensbedingungen von Transformationsprozessen. Der Verbund analysiert diese gemeinsam mit Verwaltung und Bildungssteuerung und leitet daraus systemische Konsequenzen ab.


Gelingt es so, Unterstützungssysteme dauerhaft zu stärken und Steuerungsprozesse so weiterzuentwickeln, dass Schulen bedarfsgerechter und wirksamer unterstützt werden, erreicht das Startchancen-Programm nicht nur einzelne Schulen. Es verändert die Bedingungen für viele Schulen gleichzeitig. Aber das ist auch anspruchsvoll: Auf Systemebene greifen Veränderungen langsamer als an einer einzelnen Schule. Hier müssen deutlich mehr Akteursgruppen, wie Bildungssteuerung, Verwaltung und Unterstützungssystem zusammenwirken. Das braucht Zeit.

Wir fragen nicht erst am Ende, ob das Startchancen-Programm wirkt. Von Anfang an verfolgen wir drei Wirkungspfade: Wir verbessern Angebote, erkennen und verändern die Bedingungen ihrer Wirkung und übersetzen Erkenntnisse in Entscheidungen. So kann aus Förderung Systementwicklung werden.

Kai Maaz

Leiter des CHANCEN-Verbunds


Das Startchancen-Programm ist ein Test für die Lernfähigkeit des Bildungssystems: Gelingt es dem Programm, aus Förderung Systementwicklung zu machen und letztere als gemeinsame Aufgabe von Bildungssteuerung, Verwaltung, Unterstützungssystem und Wissenschaft zu verankern? Das wird nicht schon im nächsten PISA-Ergebnis sichtbar. Dennoch sollten alle Kinder und Jugendlichen von Anfang an von den Maßnahmen profitieren und ihre Fähigkeiten verbessern können. Davon profitieren letztlich alle, auch wir als Gesellschaft insgesamt.



Kontakt

Leiterin Externe Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit | Gesamtkoordination

 Veronika Stumpf, +49 30 293360-625, v.stumpf@dipf.de


Dieser Impuls erschien zuerst auf www.dipf.de.


© Unsplash

Kinder sitzen in der Schule. Lehrerin liest vor.
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